Kredite für Firmen leicht gemacht: UKB stellt Tochterfirma Kamuno vor

Inside Kamuno

Urner Zeitung, Text und Bild Florian Arnold 29 November 2024

Regis und Roger von Kamuno

Kleine Unternehmen sollen mit wenigen Klicks und innert kurzer Zeit einen Kredit aufnehmen können: Das ist die Idee von Kamuno, der ersten Tochterfirma der Urner Kantonalbank. Das Unternehmen wurde bereits im Frühling gegründet. Am Donnerstagabend wurden nun Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik und der Wirtschaft in einer familiären Runde informiert. Diese konnten auch eine Demonstration der Plattform mitverfolgen, die in einer Beta-Version vorliegt. So wurde etwa gezeigt, wie ein Schreinerbetrieb in wenigen Minuten einen Kreditantrag für 45’000 Franken einreichen kann. Das Ziel der Plattform ist es, dass Unternehmer vom Sofa aus einen Antrag auf einen Kredit stellen können. Benötigt werden einige Dokumente wie Bilanzen und Nachweise. Die Software ist aber auch mit dem Handelsregister verknüpft und lädt gewisse Informationen selbstständig. Mithilfe von künstlicher Intelligenz schafft es die Plattform, in den ersten 5 Minuten eine Einschätzung darüber abzugeben, ob das Unternehmen kreditwürdig ist und welche Summe im Rahmen der Möglichkeiten liegt.

Mit den Regeln der UKB

Wie Mitentwickler Roger Twerenbold und Régis Lehmann erklärten, wird die Software später auch automatisiert Kredite vergeben können. Sie betonten aber, dass die Kriterien dieselben seien, welche die UKB heute «von Hand» anwende. 100 bis 120 Regeln seien bereits einprogrammiert. Laufend fügen die Entwickler Neue hinzu. Zudem lernt die Software selbstständig und wird nach einiger Zeit immer mehr automatisiert entscheiden können.

Der UKB-CEO Christoph Bugnon glaubt an ein grosses Potenzial. «Die KMU sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft», sagte er. 600’000 Unternehmen fallen in der Schweiz unter diese Kategorie. Kamuno will sich vor allem auf kleinere Firmen mit zwei bis neun Mitarbeitenden spezialisieren, also die kleinen Unternehmen. «Dieses Segment ist für grössere Banken nicht attraktiv», so Bugnon.

Einfachheit ist einzigartig

Kredite im fünf bis kleineren sechsstelligen Bereich sollen über die Plattform vergeben werden. Als Maximum sind momentan 250’000 Franken vorgesehen. Die Prüfung solcher Kreditanträge sei für Banken bisher mit hohem Aufwand verbunden gewesen. Das machte die Prozesse langsam und kompliziert – weshalb viele Firmen erst gar nicht bei der Bank um einen Kredit fragen. Das Alleinstellungsmerkmal von Kamuno sei die Einfachheit, führte Bugnon aus. Die Urner Kantonalbank ist an Kamuno zu 70 Prozent beteiligt, 30 Prozent teilt sich das Management, dem keine UKB-Mitarbeitenden angehören. CEO Christoph Bugnon ist aber in seiner Funktion Verwaltungsratspräsident. Er selber geht kommendes Jahr in Pension. Sein Nachfolger dürfte auch das Verwaltungsratsmandat übernehmen, schätzt Bugnon. Der Aufbau von Kamuno kostet 5 Millionen Franken. Das Geld floss vor allem in die Entwicklung der Plattform. Auf die Ausschüttung der UKB – ein wichtiger Einnahmeposten im Urner Kantonsbudget – habe die Investition in Kamuno keine negativen Auswirkungen, versicherte der CEO. Im Gegenteil: Längerfristig könnte das Tochterunternehmen die Finanzen der UKB sogar stabilisieren. Kamuno allerdings erhalte keine Staatsgarantie, betonte Bugnon. Nicht zuletzt schaffe die Tochterfirma auch hochqualifizierte Arbeitsplätze in Uri. Diese befinden sich momentan im «Innovationsbiotop» im UKB-Hauptgebäude am Kantonsbahnhof. Doch wieso hat die UKB ein neues Unternehmen aufgebaut?

Wachstum für Eigenständigkeit

«Die Urner Kantonalbank soll mindestens für die kommenden 10 bis 15 Jahre selbstständig bleiben», erklärte Bankratspräsident Heini Sommer. Die Zinsmargen seien jedoch kleiner geworden, während die Kosten steigen würden, etwa im IT-Bereich. Gleichzeitig sorgt die steigende Digitalisierung auch für mehr Konkurrenz auf dem Markt. «Unsere Strategie ist es deshalb, zu wachsen.» Einerseits im angestammten Markt, andererseits will die UKB aber auch «neue Wachstumsfelder erschliessen», wie Heini Sommer erklärte.

«Wachstum soll aber nicht um jeden Preis stattfinden, sondern wohl überlegt und Schritt für Schritt», so Sommer. Es bedeute nicht, dass es einen «Risikoappetit» gebe, sondern man habe sehr vorsichtig budgetiert. Vorerst wird die Plattform mit «friends and family» getestet, wie es die Referenten ausdrückten. Anfang Jahr folgt dann eine Pilotphase. Der kontrollierte Ausbau soll im April folgen. Ab 2027 möchte man Gewinn schreiben.